Kirchenakustik
Neuer Klang in alten Mauern, am Beispiel der ev. Hoffnungskirche zu Pankow
Die Kirche
In
der unweit vom Stadtkern des Berliner Stadtbezirks Pankow gelegenen
evangelischen Hoffnungskirche ist seit 90 Jahren die Hoffnungsgemeinde
beheimatet. Schon immer war die Akustik trotz einer konventionellen
Beschallungsanlage problematisch. Große Nachhallzeiten verursachten
eine schlechte Sprachverständlichkeit mit einem erheblichen Konsonantenverlust.
Das
Problem
Das
allgemeine Grundproblem der Kirchenakustik ist das ungünstige
Verhältnis zwischen Direktschall und diffusem Schallfeld. Im
Vergleich zum Direktschall kommt also zu wenig Schallenergie in den
ersten 70 Millisekunden beim Hörer an, worauf ihn im Diffusschallfeld
deutlich mehr Schallenergie erreicht. Um diesem entscheidenden Nachteil
entgegenzuwirken, muss eine Beschallungsanlage dafür sorgen, dass möglichst
viel Direktschall den Hörer erreicht. Gleichzeitig darf aber nur so
wenig wie möglich Schall zur Seite oder gar nach oben abstrahlen,
um das Energievolumen des Diffusfeldes so gering wie möglich zu halten.
Die Lösung
In
Hinblick auf die besondere Aufgabenstellung und nicht zuletzt durch die
Auflagen der zuständigen Denkmalschutzbehörde und ihrer Vorschläge
entschieden wir uns, die Lautsprecher in den Bankreihen zu
montieren. Durch diese Montageart die ungewöhnlich ist, wird der
Abstand zwischen Lautsprecher und Hörer minimiert. So wird
sichergestellt, dass fast nur noch Direktschall den Zuhörer erreicht.
Auch die optische Unauffälligkeit wird so gewährleistet.
Die Technik

Auf
Grund der großen Kabellängen ( über 700m ) wurde 100V-Technik
verwendet. Zum Zweck der optimalen akustischen Anpassung wurden die
folgenden sechs Lautsprecherkreise installiert :

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Die vorderen 8 Bankreihen
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Die hinteren 4 Bankreihen
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Die Bankreihen seitlich unter den Emporen
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Die Bankreihen auf den Emporen
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Zwei Lautsprecher für den Organisten
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Zwei Lautsprechersäulen für den Vorplatz außerhalb der Kirche
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Die Lautstärkesteller für die einzelnen Lautsprecherkreise wurden
in einem verschließbaren Wandgehäuse mit Sichtfenster untergebracht
(oberes Bild). Die nur 4mm starken Kabel wurden völlig unscheinbar in
bzw. unter der Dielung verlegt. Im Bereich des Steinfußbodens wurden
Fugen zur Kabelverlegung genutzt. In vandalismusgefährdeten Bereichen
ist das Lautsprecherkabel in halogenfreien Kunststoffpanzerrohr verlegt
worden.
Nach
einem akustischen Test mit mehreren Lautsprechervarianten viel die Wahl
auf einen modifizierten Ultraflachlautsprecher (nur 3,8cm tief)
mit 2-Wege-System. Sein unauffälliges Design und die angenehmen Übertragungseigenschaften
waren dabei ausschlaggebend. Von diesem Lautsprecher wurden 72 Stück
(teilweise farblich angepasst) nach Praxistest und empirischer Erprobung
installiert.
Das
Anlagenkonzept umfasst einen prozessorgesteuerten Automatikaudiomischer,
einen Feedback-Killer und den 100V-Verstärker. Auf
weitere Komponenten wurde aus Kostengründen verzichtet. Sie waren auch
nicht notwendig. Alle Geräte wurden unterhalb einer Sitzbank in der Nähe
des o.g. Wandgehäuses (ebenfalls verschließbar) untergebracht. Das
Ein- bzw. Ausschalten erfolgt per Funkfernbedienung mit optischer
Kontrollmöglichkeit (Signalleuchte).
 
Als
Mikrofonierung wurden die bereits vorhandenen 4
Sennheisermikrofone MD 641 und zwei drahtlose Mikrofone vom Typ
beyerdynamic eingesetzt. Für die beiden Kanzeln konnten optisch unauffällige
und sehr empfindliche Grenzflächenmikrofone ( für Kirchen
absolut unüblich! ) eingesetzt werden. Diese, für den Zuhörer nicht
sichtbaren Mikrofone, garantieren auch dem ungeübten Redner mit
bewegungsreicher Körpersprache, dass seine Worte klar und deutlich übertragen
werden.
Erste Erfahrungen
Die
Anlage ist seit November 2002 in Betrieb und arbeitet seit her ohne
Beanstandung. Nach einer umfangreichen akustischen Einmessphase erwies
sich dieses bedienungslose Anlagenkonzept als überaus
koppelfest. Man kann alle Mikrofone ortsunabhängig und gleichzeitig
betreiben ohne dass das allseits bekannte "Rückkopplungspfeifen"
in Erscheinung tritt. Als besonders angenehm, sowohl für den Redner als
auch den Zuhörer, erwies sich die Verwendungsmöglichkeit von Grenzflächenmikrofonen
auf Ambo und Kanzel. Auch konnte die Sprachverständlichkeit für die schwerhörigen
Besucherinnen und Besucher deutlich
verbessert werden. Die Musikwiedergabe ist ebenfalls durchaus
akzeptabel. So ist es möglich, Darbietungen einzelner Künstler,
Kinderchöre und Laienspiele problemlos zu übertragen. Externe
Einspielungen von CD oder Kassettengeräten sind selbstverständlich
auch möglich.
Während
des "normalen" Gottesdienstes am Sonntag werden nur die
Lautsprecher in den Bankreihen des Hauptschiffes eingeschaltet.
Seitenschiff und obere Emporen bleiben ausgeschaltet. Lediglich die
"Organistenlautsprecher" ( siehe Bild ) sind in Betrieb. So
wird für den "normalen" Gottesdienst der Hall optimal
verringert.
Fazit
Die
hier beschriebene erprobte Beschallungsanlage bietet nach erster
Praxiserfahrung die Möglichkeit, unscheinbare Grenzflächenmikrofone in
Kirchen zu verwenden. Durch den vollkommen unproblematischen Umgang, die
hohe Übertragungsqualität und die große akustische Rückkoppelfestigkeit
kann dieses Anlagenkonzept in jeder Kirche mit festen Bankreihen
verwendet werden.
Nachtrag ( im Jahr 2008)
Die Anlage wurde im laufe der Jahre noch erweitert. Es wurde ein mobil einsetzbarer Monitorlautsprecher für den Altarbereich installiert und die oberen Sitzreihen in den Emporen mit zusätzlichen Lautsprechern versehen.
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